Astrofotografie / Startrails

Astro Fotografie - Startrails - Info 01 2020

Nachts fotografieren… In diesem Beitrag in meinem Kreativ-Blog erzähle ich von meinem kleinen Ausflug zum höchstgelegenen Ostlandkreuz Deutschlands in Geislingen an der Steige und wie ich Sterne und Startrails fotografiere.

Wenn man seine Passion und Leidenschaft zum Beruf machen kann, ist das das Beste, was einem im Leben passieren kann. Ich darf mit Bestimmtheit sagen, dass die erlernten Berufe, Studiengänge und Tätigkeiten immer dem entsprochen haben, was ich gerne machen wollte. Der kreative Bereich zieht sich dabei wie ein roter Faden durch mein Berufs- aber gleichermaßen auch durch mein Privatleben.

Astrofotografie - Joe am Ostlandkreuz

Und wenn bestimmte Dinge nicht im Beruf abgedeckt werden, mache ich sie eben in meiner Freizeit. Leider kam das Erkunden und Entdecken der Natur etwas kurz. Dabei hat sie doch jede Menge zu bieten. In Laufe meines Lebens war ich zwar viel unterwegs, von der Natur habe ich allerdings wenig gesehen. Deshalb nehme ich mir immer wieder mal Zeit um rauszugehen um Foto- und Videoaufnahmen zu machen. Nun stand auf dem Programm, einen Startrail (Sternenspuren oder Strichspuraufnahmen) zu fotografieren. Das Problem: In Zeiten von Corona und der weltweiten Pandemie fallen große Reisen erstmal flach. Ein Trip nach Skandinavien, Norwegen oder Island wäre schon toll aber warum in die Ferne schweifen. In fast greifbarer Nähe steht doch ein Ostlandkreuz. Genau genommen sogar das höchstgelegene Deutschlands. Das 22,7 Meter hohe Vertriebenendenkmal steht seit 1950 auf der knapp 666 m hoch gelegenen Schildwacht südlich der Stadt Geislingen an der Steige in Baden-Württemberg. Dort geht es also hin.

Wo und wann fotografiert man Sterne?

In unseren Gefilden gibt es bei der Sternenfotografie ein großes Problem. Es ist nämlich eigentlich viel zu hell. Die Städte erzeugen auch Nachts noch so viel Licht, dass man den Himmel meist nicht gut sehen kann. Hier spricht man von der sogenannten “Lichtverschmutzung“. Wer beispielsweise in einer Großstadt wie Berlin oder München lebt, sieht selten bis nie den Nachthimmel in seiner ganzen Pracht. Aber gute Fotos macht man eben nur bei möglichst maximaler Dunkelheit, bestenfalls natürlich bei Neumond. Man braucht außerdem einen klaren Himmel ohne Wolken. Also eine stabile Hochdruckwetterlage über mehrere Stunden. Anders als bei Milchstraßen-Fotos gibt es für das fotografieren von “Startrails” keine bestimmte Saison. Das kann man das ganze Jahr über machen.

Ostlandkreuz bei Nacht

Was braucht man zur Astrofotografie?

Natürlich eine Kamera. Aber: Es muss nicht das teuerste und aufwändigste Equipment sein. Jeder, der eine Systemkamera hat, also eine Spiegelreflexkamera (DSLR) oder natürlich auch eine “Spiegellose” (DSLM), kann das machen. Entscheidend ist, dass man die Belichtungszeit, die Blende und die ISO manuell einstellen kann. Manche Kameras haben eine eingebaute Intervall-Funktion. Hat man das nicht, gibt es Zubehör zum Anschließen um in Intervallen auszulösen. Natürlich braucht man auch ein stabiles Stativ, denn die Kamera muss immer an selben Standort stehen und darf über längere Zeit nicht bewegt werden. Schließlich und endlich benötigt man natürlich ein entsprechendes Weitwinkel-Objektiv, damit man möglichst viel Himmel auf das Bild bekommt.

 

Cropfaktor-Joe_Ehrhardt-2020_01

Vollformat vs. APS-C

Viele Kamerabesitzer – ob nun Freizeit- oder Profifotografen – besitzen APS-C Kameras. Das bedeutet, es handelt sich um Kameras mit einen kleineren Sensor als der einer Vollformat-Kamera. Man kann beide Systeme verwenden, muss aber bedenken, dass eine APS-C Kamera einen sogenannten “Crop-Faktor” hat. Das bedeutet, dass bei gleicher Objektivbrennweite der sichtbare Ausschnitt kleiner ist. Während die Vollformatkamera bei der Objektiv-Brennweite als Referenzgröße 1:1 abbildet, ist der Bildausschnitt bei gleicher Brennweite und der Verwendung einer APS-C Kamera je nach Hersteller um den Faktor 1,5 – 1,6 kleiner. (Siehe Bildbeispiel)

Das bedeutet nun folgendes: Eine CANON EOS 650D ist beispielsweise eine Kamera mit APS-C Sensor. Benutze ich an ihr ein 35 mm Objektiv, entspricht der Bildausschnitt einer “Vollformat-Brennweite” von 56 mm und wäre somit ungeeignet für unsere Sternenfotos. Das beliebte und oft verwendete 50 mm Objektiv an der APS-C Kamera entspricht einem Vollformat-Objektiv mit einer Brennweite von 80 mm und eignet sich also besser für Portraits als für Landschaftsaufnahmen. Hat man also eine Kamera mit APS-C Sensor sollte man ein Objektiv mit 10 bis 20 mm Brennweite benutzen um “genug Bild” zu bekommen. Wer allerdings eine Vollformat-Kamera hat, liegt mit einem 16-35 mm Weitwinkel-Objektiv richtig. Ein 14 mm Ultraweitwinkel ist natürlich genial aber nicht gerade die preiswerteste Veriante und oft nur etwas für den Profi-Landschafts- oder Architekturfotografen, der so eine Anschaffung auch beruflich nutzt. Interessante Perspektiven kann man natürlich auch mit einem Fish-Eye Objekt erzielen. (siehe Bildbeispiel ganz unten)

Für die Tech-Freaks

Rechts im Bild sehen wir eine Vollformat-Kamera von CANON auf einem ROLLEI C50i Carbon Dreibein-Stativ. Das Objektiv ist ein SIGMA 14 mm 1:1.8 DG mit einem dazu passendem Filtersystem von NISI. Es gibt spezielle Astro-Filter, die geeignet sind die Lichtverschmutzung zu reduzieren da es die Wellenlängen üblicher Kunstlicht-Quellen blockiert.

Canon EOS 1Dx MKII mit 14mm Sigma

Nachthimmel oder Sternenspuren

Während man bei der Fotografie des Himmels darauf achten muss, dass die Sterne aufgrund der Erddrehung bei Langzeitbelichtungen nicht zu kleinen Strichen werden, ist das bei den Sternenspuren sogar gewünscht. Grob gesagt ist ein Stern im Foto kein Punkt mehr, wenn ich länger als 15 Sekunden belichte. In dieser Zeit hat sich die Erde soweit gedreht, dass der Punkt / der Stern sich in dieser Zeit wahrnehmbar bewegt hat und zu einem kleinen Strich wird.

Bei den “Startrails” belichtet man also gerne länger. Allerdings kann man das nicht unbegrenzt. Irgendwann wäre selbst dieses Nachts geschossene Bild überbelichtet. Je nachdem, wie lange die Spuren sein sollen, belichtet man eine entsprechend lange Serie von Einzelfotos und setzt diese dann später am Mac oder PC zusammen. Es gibt einige kostenlose Programme, die das hervorragend berechnen können. StarStaX ist eine solche Software für Mac und PC. In dieser Software werden die Einzelbilder zusammengefügt und nach einiger Rechenzeit erhält man ein Ergebnis wie im folgenden Bild.

Startrail Geislingen an der Steige
Ostlandkreuz vor Milchstraße

Hier noch ein Foto vom Ostlandkreuz mit dahinterliegender Milchstraße. Um ein solches Bild zu erzeugen, sollte man auch einige Einzelfotos schießen und mit Hilfe einer Software “stacken” – also zusammenfügen. Aufgrund der doch recht hohen ISO kommt es oft zu starkem Bildrauschen was man durch “Stacking” beseitigen kann.

Das interessante bei meinem Ausflug zum Ostlandkreuz war, dass man die Milchstrasse trotz sternklarer Nacht und Neumond mit bloßem Auge fast nicht erkennen konnte. Die Lichtverschmutzung ist in Stadtnähe einfach zu groß. Die Kamera “sah” deutlich mehr und durch die speziellen Verfahren ist es möglich, tolle Ergebnisse zu erzielen. Ganz abgesehen von den Fotos kann man außerdem eine wunderbare und ruhige Zeit in der Natur genießen.

Vielleicht motiviert mein kleiner Beitrag Dich dazu, es selbst auch mal auszuprobieren. Wenn Du Lust hast, kannst Du Dich gern mal bei mir melden. Wenn wir ein paar Leute zusammenbekommen, mache ich auch gerne einen Vor-Ort-Workshop und erkläre, wie das in der Praxis funktioniert. Anschließend gebe ich Tipps zum Bearbeiten. Das geht ja inzwischen und wegen Corona auch ganz hervorragend online.

Ich freue mich auf euer Feedback (siehe Kontakt) und vielleicht bis bald.

Euer Joe

 

Nights in white Satin - long time exposure
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